21. Europäisches Patchworktreffen in Ste. Marie aux Mines

Ich bin nun wirklich keine Quilterin, und beim Patchwork  hat es mich immer irgendwie irritiert, neue Stoffe zu kaufen, kleinzuschneiden und anders wieder zusammen zu setzen. Trotzdem liebe ich die Tradition der amerikanischen Quilts, die ja seinerzeit die Not zur Tugend machten und aus alten, nicht mehr tragbaren Kleidungsstücken die schönsten Decken und Kissen zauberten. Und da habe ich den Besten aller Ehemänner überredet, sich mit mir das 21. Europäische Patchworktreffen im naheliegend Elsass  genauer zu betrachten. Hier muss ich diesem übrigens ein Lob aussprechen: mit engelsgleicher Geduld und sicherem Orientierungssinn folgt er mir bzw. führt er mich über Stoffmärkte, Kreativmessen, Gartenausstellungen etc.ppp. Danke, mein Bester!

Aber weiter: bei strömendem Regen fuhren wir also am Samstag morgen nach Ste. Marie aux Mines. Klingt schön, nicht? Ist es aber nicht. War es vielleicht einmal. Mittlerweile ist dieses Bergbaudorf im Val d’Argent (Silbertal – klingt auch schön, nicht?) ein halbverlassenes, arg heruntergekommenes Nest. Warum sich ausgerechnet hier die  Patchworker treffen? Keine Ahnung. Vielleicht wegen der vielen Kirchen. Denn bestimmt die Hälfte der Ausstellungsorte waren Kirchen. Aber ich greife vor. Die Ausstellungsstücke werden hier nicht in einer Halle versammelt, sondern jeweils zwei oder drei Künstler teilen sich einen Ausstellungsort – eine Kirche, ein Pfarrhaus, ein Feuerwehrhaus oder ähnliches. Und das über die vier Ortschaften des Val d’Argent verteilt. Wir fanden das sehr praktisch, weil man auf dem Weg zwischen den einzelnen Ausstellungen auch etwas von den Dörfchen sah. Weil Ste. Marie aux Mines das größte und das mit den meisten Ausstellungen war – 12 an der Zahl- haben wir hier begonnen. Alle Örtlichkeiten waren schön ausgeschildert, an jeder Station gabs auch kleine handliche Übersichtspläne. Und gleich zu Beginn ein richtiger Knaller:

2015-09-19 10.54.41 2015-09-19 10.54.31Sehr beeindruckend fanden wir beide diese Mobiles mit den plastisch gearbeiteten Portraits. Auch so kann Patchwork aussehen!

 

 

 

 

 

Überhaupt musste ich meine Vorstellung von Quilts und Patchwork arg überdenken. Das ist nicht nur Läppchen an Läppchen genäht – oh nein. Da findet man wirkliche Kunststücke, nicht immer jedermanns Geschmack, aber für jeden was dabei.

 

 

2015-09-19 10.55.26 2015-09-19 10.57.33 2015-09-19 11.47.19 2015-09-19 11.48.10

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und was mich am meisten überraschte, weil ich es nirgendwo angekündigt fand: eine riesige Verkaufsmesse mittendrin, mit allem, was das Näherinnenherz begehrt: von Stoffen über Nähmaschinen und Vliese und Lampen und riesige Stickmaschinen und und und….

Hier legten wir auch eine kleine Pause ein, weil die Füße schon ein wenig rauchten. Aber es ging weiter:

2015-09-19 12.05.44 2015-09-19 11.54.50 2015-09-19 12.32.56 2015-09-19 12.33.30Wunderschöne Quilts, die auch mal eine Geschichte erzählten, Abstraktes wie von Picasso erdacht, Wildes, Merkwürdiges…alles war zu sehen. Und das war erst die erste Ortschaft!

Weil die zweite, Ste. Croix aux Mines, nur 4 Stationen hatte, nahmen wir die auch noch mit. Und dieses Dörfchen hat schon bedeutend mehr Charme als das erste. Man merkt auch hier die Armut der Leute, viele Häuser stehen leer, weil es eben keine Arbeit mehr gibt: die Silberminen sind leer, die Textilfabriken aufgegeben – sonst gibt es hier nix. Schade eigentlich, denn das Elsaß ist hier wunderschön!

2015-09-19 12.36.382015-09-19 14.18.222015-09-19 14.39.18 2015-09-19 15.20.37

Und das Wetter war auch besser geworden, es gab ab und zu einen kleinen Regenschauer, sonst war es sehr angenehm.

Die letzten beiden Orte habe wir uns geschenkt, dem Alter und den qualmenden Füßen geschuldet. Aber es waren durchaus sehenswerte Sachen dabei, und Chapeau vor der vielen Arbeit und Ausdauer, die nicht zuletzt hinter einem schönen Quilt oder einer Patchworkarbeit stecken!

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2 Antworten zu 21. Europäisches Patchworktreffen in Ste. Marie aux Mines

  1. motessa schreibt:

    Ich wäre so gerne gegangen! Ich besuchte die Ausstellung vor zwei Jahren mit einer lieben Freundin

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