Ein kleines Paradies im Elsaß

Am gestrigen Sonntag war das Wetter irgendwie nicht so wandergeeignet, und so ging der Beste aller Ehemänner im weltweiten Netz auf die Suche nach anderweitigen Verlustigungen. Irgendwo stiess er auf einen Link zu den Offenen Gärten in Rheinland-Pfalz und dem Elsaß, und das erschien uns doch als Abschied für den ziehenden Sommer ganz passend. Im Elsaß waren wir schon länger nicht mehr, also Betschdorf und Birlenbach angepeilt. Die Sonne schien noch zwischen leichten Wolken durch, aber zum Offenfahren war es uns definitiv zu kalt. Also durch die Pfalz mit ihren diversen Weinfesten (ja, die Lese steht bevor, da müssen die Fässer leer gemacht werden!) über die grüne Grenze  (huch, sind wir schon in Frankreich?). Natürlich gibt es da keine Grenze mehr, aber man merkt trotzdem, wenn man im Elsaß ist. Die Häuser sind irgendwie anders, die Straßenschilder auf jeden Fall, die zu ignorierenden Zebrastreifen häufen sich schlagartig. Und die Straßen werden schlechter – ach nein, mittlerweile haben wir in Deutschland auch genug schlechte Straßen… egal, irgendwann kamen wir in Birlenbach an, einem kleinen verträumten Fachwerkdorf. Das Haus bzw. der Garten von Lisa Krautheim und Hans Amolsch war in der Hauptstrasse schnell gefunden. Och, dachte ich, arg groß ist der nicht, wenn auch sehr liebevoll gepflegt und mit unzähligen Details ausgeschmückt.20150906_121002So wird man begrüßt, und man kann gar nicht so viel schauen, dass man alles wahrnehmen kann:20150906_12194520150906_121013 20150906_121633 20150906_121701 Viele liebevoll arrangierte Kleinigkeiten, Antiquitäten, Utensilien des täglichen Lebens fangen den Blick ein.20150906_12181220150906_122415Die beiden Künstler Lisa Krautheim und Hans Amolsch haben dieses alte Bauernhaus in eher desolatem Zustand gekauft und behutsam restauriert und modernisiert, ohne etwas von der ganz besonderen Ausstrahlung und dem Charme dieses Anwesens zu zerstören.

Und schien mir der Garten anfangs eher klein, so gibt es hier immer wieder versteckte Türen, verborgene Durchgänge, die erst die Weite und den Raum dieses verzauberten Gartens eröffnen, der sich hinter dem Haus in verschiedenen Räumen über eine Fläche von 2500 qm hinzieht.

20150906_122014Hier finden sich unzählige Obstbäume mit dicken Stämmen, die ihr Alter nur erahnen lassen, ein romantischer Pavillon, in dem wie zum Kaffee gedeckt ist,20150906_122633 buchsbaumgesäumte Beete und Wege, ein altes, wie zufällig abgestelltes Fahrrad, 20150906_122725auf Schiefertafeln geschriebene Gedichte und Sprüche 20150906_122125 20150906_122025 Und auch hier geben sich der scheidende Sommer in Form von üppig blühenden Rosen und der kommende Herbst mit seinen bunten Astern  die Hand

20150906_12314920150906_123010

Noch ein Blick ins Wohnhaus, das dieses nette Paar nun bald wieder für den Winter verlässt. 20150906_124015Wir freuen uns, dass wir einen Blick in ihren Garten tun durften und haben uns einen erneuten Besuch im nächsten Juni fest vorgenommen.20150906_124034Unser zweiter angepeilter Garten hatte übrigens schon geschlossen, das war wohl eine Internetente!

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2 Antworten zu Ein kleines Paradies im Elsaß

  1. Evelyn Krien schreibt:

    Liebe Dagmar, es ist ein kleines Wunder, dass ich diesen Beitrag gefunden habe, denn mit Blogs u. ä. kenne ich mich nicht so aus. Habe aber in den letzten Jahren hin und wieder einmal nach dem Garten von Lisa und Hans geschaut, weil ich mit ihr verwandt bin und weiß, mit wie viel Aufmerksamkeit und Detailtreue die beiden alles pflegen und herrichten. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und habe immer die Natur geliebt. Wirkliche Sehnsucht in der Natur habe ich aber erst empfunden, seit ich Texte aus dem 18. Jahrhundert gelesen hatte wie Eichendorffs Taugenichts oder Goethes Wahlverwandtschaften und benachbarte Erzählungen. Da gibt es öfter Beschreibungen der NATUR, die mit dem Menschen korrespondiert, nicht nur als eine umgebende Landschaft mit angenehmen Dingen, sondern als etwas, in dem man auch geistig zuhause ist. Und das führt die Menschen zueinander, gerade die Ehrfurcht vor der Natur läßt sie die Räume so gestalten, dass sie sich als Gegenüber anschauen. — Das soll nicht geschwollen klingen, im Gegenteil versuche ich es so alltäglich wie möglich auszudrücken.

    Wenn es heute viele GARTENFESTE, MESSEN etc. mit Kulturbeiträgen gibt, dann ziehen die bestimmt Menschen an, weil sie so etwas suchen, aber es fehlt eins, wenn man sich einen solchen Aufenthalt nur „kaufen“ kann. die Liebe zur Natur und die Liebe zu den Menschen. Schon des öfteren habe ich gesehen, wie die Heerscharen oder genauer gesagt die mobilen Einsatzwagen hunderter Autos irgendwo einen Schotterplatz oder eine Schlammwiese belegten und dann gestresste Großstädter chipsessend zum Eingang gingen. Bei Mittelaltermessen ist es ähnlich, auch wenn die Leute da in Kutten und Filz-Schnabelschuhen ankommen. DRINNEN dann ist alles schön, ruhig (=autofrei) und hochwertige Dekos und edle Blumen locken,. Aber sie locken vor allem Geld aus der Tasche nach der Entrichtung des Eintritts, und wenn man das Areal verlässt, regiert wieder die Schotterwiese und die Asphaltstraße und die Chipstüte. Nach 1-3 Tagen wid die Pracht abgerackt und anderswo aufgebaut. Ob wohl Pflanzen Heimweh haben oder nestwärme entwickeln?

    Weil es so lange gedauert hat, bis ich – selbst ohne Auto lebend – nach Birlenbach gefunden habe, obwohl ich so gerne das Atelier und den Garten sehen wollte, war ich umso mehr überwältigt von dem, was ich vorfand. Da wird sichtbar nicht nur ein Blick für Kunst und Natur, das ist stete Beschäftigung mit Natur und immer wieder neues Erschaffen der Ordnungen, die man den Dingen gegeben hat. Es ist nicht nur ein Paradies geworden, es ist unter den heutigen Bedingungen, wo die meisten Menschen entweder in der Stadt wohnen oder aber auseichende Mittel für eine solche Beschäftigung nur haben, wenn sie bis zum Anschlag arbeiten, fast ausgeschlossen, dass jemand dann gleichzeitig noch einen so aufwendigen Garten pflegt. –

    Du hast den „Romantischen“ Pavillon angesprochen. Hast du mal überlegt, was das Romantische ausmacht, das Idyllische? Die runde Form, die offene Gitter, die gewölbte Überdachung, die wenigen Bücher, die dort liegen? Auf einer Hauptverkehsstraße wäre er nicht, was er ist, dieser Pavillon. Und ohne Rosen um sich herum , ohne hereinrankende zweige wäre er auch nicht ein Ort der Natur. Ich bin irgendwann darauf gekommen, dass das Romantische, Idlyllische, auch „Lauschige“, wie man früher sagte, es ermglicht , sich in geborgener Weise selbst zu vergessen. Mit allen Sinnen eine Umgebung aufzunehmen, die nicht stört, sondern SCHÖN IST und zur Ruhe kommen lässt.. So in etwa hat man sich den „locus amoenus“ in der Antike vorgestellt, und die hatten keinen Mangel an Baumkuppeln, Schluchten, Blumendickichten. üppigen Pflanzen. Immer aber geht es um den Menschen in dieser Landschaft, in die er sichund seine Emofindungen naturhaft einfugt.

    Sich dort, wo die Natur selbst wirkt und sich in gewissem Mass auch überlassen ist, niederlassen zu können und nicht vertrieben zu werden, das ist für mich EIN KLEINES PARADIES. Es ist schön, dass Du diesen Garten gefunden hast. Sich irgendwo so gerne aufhalten, dass man dort bleiben möchte und im VERWEILEN die Zeit mit anderen Menschen teilt, das ist das Paradies. Manchmal muss man Jahrzehnte lang herumreisen, um heruaszufinden, welches das eigene Paradies ist und wer die Menschen, die zu einem gehören. DANKE FÜR DEN BLICK IN DIESEN GARTEN.

    • dagmar0815 schreibt:

      Liebe Evelyn,
      Vielen Dank für Deine lieben Worte. Ich bin auch sehr froh, dass ich diesen Garten sehen durfte, und ich hoffe ich schaffe das nochmal. So viel Liebe zur Natur, soviel Einfühlungsvermögen und Respekt vor den Pflanzen habe ich vorher und nachher nicht gesehen.
      Dir eine gute Zeit und noch viele schöne Gärten
      Dagmar

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